Mit freundlicher Genehmigung Auszüge aus Lothar Massold`s

Bolzum
Geschichte und Geschichten.
Allerlei Wichtiges und Unwichtiges über ein liebenswertes Dorf.
Zusammengefaßt in einem Lese- und Bilderbuch von 1996

Auf dem Lande und so war es wohl auch in Bolzum, blieben nur die ledernen Löscheimer und die Brandhaken die wichtigsten Hilfsmittel zur Brandbekämpfung. Mit diesen einfachen Geräten konnte man sicher keinen größeren Brand löschen, wohl aber die Ausbreitung des Feuers durch Funkenflug verhindern. Mit den Brandhaken riß man die brennenden Strohdächer herab, während in einer langen Kette die Löscheimer mit dem Wasser von Hand zu Hand gingen und ihr Inhalt neue Brandherde erstickten half.

Ab wann genau es in Bolzum eine feuerwehrähnliche Einrichtung gegeben hat ist nicht überliefert. Schriftverkehr, alte, mit Jahreszahlen versehene Löscheimer, wie sie auf den Höfen vorhanden waren oder andere sichere Hinweise sind leider nicht zu entdecken. Mit großer Sicherheit wird es eine Art Feuerwehr mit der Einführung des Brandkatasters 1770 gegeben haben.

Die ersten konkreten Nachweise einer älteren Feuerwehr in Bolzum sind in einem Schriftverkehr aus dem Jahre 1860 zwischen der Domäne und dem "Hofe Ministerium des Königlichen Hauses Hannover", der unter Hann. 88 C Nr. 210/1 im NDS Staatsarchiv Hannover aufbewahrt wird, zu finden.
In einem Schreiben vom 7. August 1860 heißt es u.a.:
Der Domänenpächter Cordemann zu Bolzum brachte im Monat Mai d. J. zur Anzeige, daß die Gemeinde Bolzum das ihr zugehörige, vor dem Hofe der Domäne stehende Spritzenhaus wegen Baufälligkeit abreißen und wieder aufzubauen beabsichtige...

Das Spritzenhaus wurde wohl 1861 gebaut und erfüllte seine Bestimmung über viele Jahre, bis die Gemeindeverwaltung Bolzum am 4. Februar 1905 beschloß, zum Neubau eines Spritzenhauses mit Turm einen Antrag auf behördliche Genehmigung zu stellen. Am 1. August 1905 heißt es im Gemeindeprotokoll:
Ein am Tie vor Uhdes kleinem Haus gelegener Platz wird für den Neubau eines Spritzenhauses zur Verfügung gestellt.

Brach in einem Dorf ein Brand aus, so waren die Folgen katastrophal. Die Bauweise der damals eng aneinander gereihte Häuser, viel Holz, Strohdächer, darin auf Halm gelagertes Getreide, schlechte Wasserversorgung und dergleichen förderten eine schnelle Ausbreitung des Feuers. Im 19. Jahrhundert beschränkte sich oft nicht nur auf ein Haus, sondern es fielen ihm in den meisten Fällen gleich mehrere Gebäude zum Opfer.
In einer kurzen Überlieferung heißt es:
Am 21.2.1807 großer Brand 9-10 Uhr bei Conrad Warmbold, Christ. Beckers und H.H. Fetten.....

Der größte Brand, der Bolzum heimsuchte war im Jahr 1857, bei dem ein großer Teil des Dorfes eingeäschert wurde. In der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung und Anzeiger" Nr. 203 vom Dienstag den 25. August 1857 stand folgender Bericht:
Gestern Nachmittag 3 ˝ Uhr umzog sich der nördliche Horizont der Stadt mit dichten Rauchwolken und man schloß daraus auf einen starken Brand in der Gegend von Algermissen. Heute geht uns nun durch einen Augenzeugen die betrübende Nachricht zu, daß in Bolzum und Wehmingen, Amts Ruthe, das Feuer gewüthet und im ersten Orte 14 Höfe nebst Synagoge verzehrt, letzteren dagegen bis auf etwa ein Drittel eingeäschert hat. Das Feuer entstand in Bolzum, angeblich durch Kinder, welche mit Zündhölzchen gespielt haben, und wurde durch fortgeschleuderte Speckseiten nach dem kaum eine Viertelstunde entfernten Wehmingen hinübergespielt.

Gründungsprotokoll der Freiwilligen Feuerwehr Bolzum:
Geschehen zu Bolzum den 17. Februar 1902 im Hause des Herrn Gastwirt Grefe hierselbst.
Gründung
Auf Grund des §1 der Polizei Verordnung des königlichen Ober-Präsidenten zu Hannover vom 27. September 1902 ist in Bolzum eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Sie besteht bei ihrer Gründung aus folgenden Mitgliedern:...
Es folgen die Unterschriften von 52 Mitgliedern

Anfang der 20ziger Jahre wurden die Bolzumer durch eine Serie von Brandstiftungen aufgeschreckt.
Lehrer Knoke darüber in seinen Aufzeichnungen.
Es brannte am:
05.08.1920 Sonnabend nachmittags 5.00 Uhr bei Landwirt August Lehrke
14.06.1920 Montag morgen gegen 10.00.Uhr Bei Landwirt Boes
23.06.1920 Mittwoch morgen gegen 8.00 Uhr bei Halbmeier Heinrich Busch
26.06.1920 Sonnabend mittags 12.00 Uhr in der Molkerei Schmidt
25.09.1920 Sonnabend abends 8.00 Uhr bei Landwirt Karl Hennies
03.10.1920 Erntedankfest abends 8.00 Uhr bei Karl Behrens
09.08.1921 das Schachthaus Nr. 48 vormittags 10.00. Uhr.

In dieser Zeit gingen auch die Gebäude des Hofbesitzers K. Lehrke in Flammen auf. In allen Fällen soll es sich um Brandstiftung gehandelt haben. Zusammenhänge mit dem Kanalbau, durch den sich viele "Fremde" in Bolzum aufhielten, wurden nicht nachgewiesen.

Die Aufgaben der Feuerwehr wurden umfangreicher und die pferdegezogene Handdruckspritze 1935 durch einen Anhänger mit Motor-Tragkraftspritze und zusätzlichem Luftschaumrohr ersetzt. Zur besseren Ausnutzung des neuen Gerätes, das in Bolzum stationiert war, gründete man einen Feuerlöschverband, dem die Ortschaften Wirringen, Wehmingen und Bolzum angehörten. Wie früher die Gespanne, so stellten die Landwirte jetzt einen Trecker als Zugfahrzeug zur Verfügung. 1952, zum 50jährigen Jubiläum wurde ein LKW zum Mannschaftstransportfahrzeug umgebaut und in Dienst gestellt. Als dann die Gemeinde Bolzum ihre Feuerwehr modernisierte und 1963 ein neues Löschgruppenfahrzeug LF8 angeschaffte, wurde das alte Spritzenhaus seinen Anforderungen nicht mehr gerecht und 1971 durch einen Neubau "Am Mühlenberg" neben dem Gemeindezentrum ersetzt. Das alte Spritzenhaus wurde anderweitig genutzt, bis es 1987 der Neugestaltung des Marktplatzes weichen mußte und von den Feuerwehrleuten im freiwilligen Arbeitseinsatz abgerissen wurde.

Im Winter 1940/41 wurde die große Scheune des Gutes durch Brandstiftung vernichtet. Sie brannte bis auf die Umfassungsmauern total aus. Der Brand selber konnte damals in Grenzen gehalten werden und ein Übergreifen auf anliegende Gebäude verhindert werden.

Am 12.8.1953 Mittags 12:30 Uhr brannte die Scheune und Stallungen des Landwirtes Heinrich Busch. An der Brandbekämpfung waren neben der hiesigen Wehr folgende Wehren beteiligt: Werksfeuerwehr Hohenfels, Wirringen, Wehmingen, Sehnde, Wassel, Lühnde, und Müllingen. Auch die Berufsfeuerwehr Hannover war anwesend, wurde aber nicht mehr eingesetzt.

Zu den großen Heide-, Wald- und Moorbränden im August 1975, bei denen neben 15 Häusern, 800 ha Kiefernforst Opfer der Flammen wurden und fünf Feuerwehrmänner sowie ein Polizist bei der Ausübung ihrer Pflicht zu Tode kamen, steht folgender Vermerk im Protokoll vom 21. Februar 1976:
... Bei den Heide-, Waldbränden kam die Bolzumer Wehr zum Löscheinsatz in Stüde bei Gifhorn am 10.8.1975 ...
Hierzu der Vermerk, daß die eingesetzte Bolzumer Feuerwehrleute für ihre Leistung eine Auszeichnung in Form eines Ordenbandes erhielten.

Eine Serie von Brandstiftungen ließ die Freiwillige Feuerwehr Bolzum in den Jahren 1995/1996 nicht zur Ruhe kommen. Betroffen waren die Häuser Wilhelm-Busch-Str. 4 -eine gemeindeeigene Notunterkunft- und Wilhelm-Busch-Str. 10 –einem Mehrfamilienhaus. Bisher unbekannte Täter legten 1995 in dem sogenannten Schlichthaus sage und schreibe 14 Brände, die alle gelöscht werden konnten. Opfer waren dabei nicht zu beklagen. Da sah es 1996 schon schlimmer aus. Die Brandstiftung setzen sich im Januar fort. Fünfmal rückten die Blauröcke aus, um kleinere oder auch fortgeschrittene Brände in dem Haus Wilhelm-Busch-Str. 10 unter Kontrolle zu bringen. Mehrere Personen mußten aus dem verqualmten Haus gerettet und zur klinischen Versorgung abtransportiert werden. Die polizeilichen Ermittlungen verliefen im Sande. Es gelang nicht den oder die Täter dingfest zu machen

Bei den zuvor geschilderten Fällen handelt es sich um die "großen" Brände in Bolzum. Würde man auf die vielen, unzähligen Einsätze eingehen, die nicht so spektakulär sind, müßte man Bände füllen. Nicht erwähnt sind die technischen Hilfeleistungen, kleinere Brände, die gelöscht wurden, die Fehlalarme, die gewissenlose Menschen auslösten, von den Bagatelleinsätzen, zu jeder Tages- und Nachzeit, ganz zu schweigen. Keller mußten ausgepumpt und Sturmschäden beseitigt werden. Etliche male wurde der Kanal von dem Öl befreit, das kriminelle Schiffsführer aus ihren Schiffen abgelassen hatten. Wie oft rief man die Bolzumer Feuerwehr zu Einsätzen außerhalb unseres Dorfes? Kaum einer nahm Notiz davon. Tiere mußten aus Notlagen befreit und Ölspuren abgestreut werden.

Diese Aufstellung ist sicher nicht vollständig, aber man sieht, wie umfangreich Feuerwehreinsätze sind. Die vielen Stunden, die unserer Feuerwehrmänner in ihrer Freizeit für Übungen und Lehrgänge aufwenden hat bisher niemand bemerkt.

Die Aufgaben der Bolzumer Wehr wurden zeitbedingt immer umfangreicher. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, stellte die Gemeinde 1983 einen Ölschaden-Anhänger und 1986 ein neues LF8 mit umfangreicherer Ausrüstung in Dienst.

Im Aufenthaltsraum des Gerätehauses legen eine Vielzahl von Pokalen Zeugnis darüber ab, daß die Wettkampfgruppe der Bolzumer Wehr immer erste, zweite und wenn es mal schlecht lief, dritte Plätze erringen konnte. Den hohen Ausbildungsstand der Gruppe kann man an den Erfolgen bei den Landesentscheiden der Jahre 1991, 1993 und 1995 ablesen, an denen die Wettkampfgruppe sich von Jahr zu Jahr steigerte, den 20. Danach den 13 und 1995 den 10. Platz erringen Konnte. Um diese Erfolge würdigen zu können, muß man wissen, daß dem Niedersächsischen Feuerwehrverband ca. 3800 Wehren angehören.


Gut Schlauch !!